Die Farblooks auf Fotos

Habt Ihr Euch auf der Suche nach einem Fotografen mal durch einige Portfolios geklickt, dann merkt Ihr wahrscheinlich, dass die Bilder irgendwie unterschiedlich aussehen. Dass manche Fotografen schwerpunktmäßig eher „dunklere“ oder „hellere“ Bilder machen, „buntere“ oder „blassere“, „wärmere“ oder „kühlere“ und so weiter. Manche Fotografen haben auch mehrere Stilrichtungen in ihrem Portfolio.

Inwiefern kann oder sollte das Thema bei Eurer Entscheidung für einen Fotografen eine Rolle spielen? Dieser Beitrag soll Euch als Kunden ein bisschen Orientierung geben.

Braut in Brautkleid im Herbst am Strand in Brauntoenen mit Brautstrauss

Diesem Bild habe ich bewusst eine bräunliche, herbstliche Tönung gegeben. Es entstand in einer freien Arbeit an einem regnerischen Oktobermorgen, und dieser Farblook gibt die Stimmung gut wieder.

Die verschiedenen Bearbeitungsstile

Es gibt zahllose Farblooks – die meisten Fotografen entscheiden sich irgendwann für einen bestimmten und bearbeiten dann all ihre Fotos so. Der Gedanke dahinter ist vor allem, dass der Fotograf dadurch eine eigene Handschrift bekommt, und dass das Portfolio einheitlich wirkt.

Manche Bearbeitungen wirken eher natürlich, ein Laie nimmt sie u. U. gar nicht als Bearbeitung wahr (aber auch nur, wenn man das unbearbeitete Bild nicht kennt). Solche Bearbeitungen verfremden die Bilder und die aufgenommenen Farben nicht oder kaum; sie sind sozusagen zeitlos.

Andere Bearbeitungen hingegen verleihen den Bildern einen bestimmten Look. Hier kann es durchaus sein, dass sich die Farben in der Nachbearbeitung verändern oder das Bild eine bestimmte Atmosphäre erhält.

Jede Bearbeitungsvariante hat ihre Reize. Wie ein Bild wirkt, liegt an Verschiedenem: An den Motiven selbst, an Schnitt und Perspektive, dem Verhältnis von Schärfe und Unschärfe, den Grundfarben, dem Licht, an der Stimmung auf den Bildern, u.U. auch an den Gefühlen, die beim Betrachten entstehen.

Letztendlich bestimmt das individuelle Geschmacksempfinden, was gefällt.

Der Blick von Fotografen und Nicht-Fotografen

Bearbeitungsstile und (Farb)Looks sind Moden und Strömungen unterworfen. Was gerade angesagt ist, wissen meist nur diejenigen, die sich genauer damit beschäftigen; die entweder selbst Fotografen sind oder aus Interesse die Entwicklungen verfolgen.

Den allermeisten Nicht-Fotografen ist unbewusst, warum ein (bearbeitetes) Bild so aussieht wie es aussieht, was in der Nachbearbeitung passiert ist, oder wie das unbearbeitete Bild aussah.

Das sollte für sie auch nicht relevant sein. Denn genau das ist ja die Aufgabe des Fotografen: Gute Bilder zu machen und diesen Bildern ein Finish, einen Stil, einen Schliff zu verleihen, der sie abrundet und abhebt von „normalen“ Bildern.

Dies ist meist einer der Hauptgründe, weshalb man man einen Fotografen bucht. Und es ist auch der Grund, weshalb professionelle Fotografen meist keine unbearbeiteten Bilder  bzw. RAWs ausliefern, denn diese Bilder sind einfach noch unfertig. Und weshalb viele Fotografen Dinge wie Instagram-Filter auf ihren Bildern nicht so gern sehen.

Das Farbempfinden

Auch das individuelle Farbempfinden variiert von Person zu Person, und das ist wirklich ein relevanter Punkt! Mancher findet ein farbenfrohes Bild super stimmig und ansprechend, dem anderen ist es zu grell.

Genauso geht es vielen Fotografen: Einige zieht es eher zu kühlen oder erdigen Farbtönen hin, andere mögen leuchtende, helle Bilder. Vieles ist trendabhängig, aber manchmal ist es einfach das eigene Farbempfinden, das einen immer wieder in eine bestimmte Richtung leitet.

Am Rande bemerkt: Auch unterschiedliche Anzeigegeräte geben Farben uneinheitlich wieder. Manche Handy-Displays z. B. zeigen Bilder satter und kontrastreicher an, manche Laptop- oder Desktop-Bildschirme unterscheiden sich in ihrer Farbanzeige, je nach Alter, Qualität oder Einstellung. Im Zweifel schaut Euch Bilder einfach mal auf unterschiedlichen Bildschirmen an.

(Spezielle Geräte zur Bildschirmkalibrierung sind idR. nur für Leute interessant, die eine ganz korrekte Farbwiedergabe für ihre Arbeit brauchen. Für „normale“ Nutzer reicht i.d.R. die Kalibrierungsfunktion der Standard-Bordmittel am eigenen Computer aus.)

Erst der direkte Vergleich zeigt die Unterschiede

Wichtig ist auch zu wissen: Das ungeübte Auge wird Unterschiede in den Farblooks evtl. kaum realisieren, wenn der direkte Vergleich (zum unbearbeiteten Bild oder zu einem anderen Look) fehlt. Unten seht Ihr an einem Beispiel, wie sich unterschiedliche Farblooks im direkten Vergleich auf ein und dasselbe Foto auswirken können. So nebeneinander sieht das schon ein bisschen aus wie „Kraut und Rüben“, oder? : )

Und hier sind wir wieder am Ausgangspunkt dieses Beitrages: Ein einheitlicher Farblook schafft einen durchgehenden Eindruck im Portfolio und u.U. auch im Angebot, weshalb sich viele Fotografen auf einen festlegen, und ihren Kunden vermitteln: „Das bekommt Ihr von mir.“

 

Und was macht man als Kunde jetzt?

Wenn Ihr schon gefühlt drei Dutzend Fotografenportfolios durch habt, schwirrt Euch wahrscheinlich der Kopf. Denn der Bearbeitungsstil der Bilder ist ja nicht alles. Noch einige andere Punkte spielen zur Entscheidung für einen Fotografen eine Rolle.

Mein Tip: Lasst die Bilder in Euer Herz, im Gesamten. Was spricht Euch an und berührt Euch, und warum? Gefällt Euch die (Farb)Stimmung auf den Bildern? Die Atmosphäre? Passt es zu dem, was Ihr für Eure eigene Feier plant? Und auch unabhängig davon: Gefällt Euch das Zusammenspiel aus Nah- und Gesamtaufnahmen? Der Blick des Fotografen? Möchtet Ihr gern Euch und Eure eigene Hochzeit in dieser Form sehen?

Und dann betrachtet Eure anderen Kriterien für die Auswahl Eures Fotografen. Passt er auch sonst zu Euch und Eurer Feier? Menschlich, und mit seiner Art, zu arbeiten? Wenn ja, dann stehen die Chancen gut, dass Ihr „den Richtigen“ gefunden habt!

Beispiel-Vergleich

Hier seht Ihr anhand eines Beispielbildes (das erste Bild ist das unbearbeitete) einige unterschiedliche Farblooks in direkter Abgrenzung zueinander, und wie sehr ein Farblook das Ausgangsbild verändern kann.