Über das Fotografieren in der Kirche

Ein Paar hat mich mal gefragt, welcher Teil bei einer Hochzeit für mich persönlich der schönste sei. Ich war auf die Frage nicht vorbereitet und habe eher allgemein geantwortet: Dass jeder Teil des Tages sein eigenes besonderes Leuchten hat, und daher seinen Wert – und ich jeden davon mit derselben Leidenschaft abbilde. Und das stimmt.

Die Frage hat mich allerdings beschäftigt, und im Grunde ist die Antwort darauf eine recht persönliche: Wenn es eine kirchliche Trauung gibt – dann ist sie für mich das Herzstück einer Hochzeit, und damit ist sie auch etwas Besonderes für mich als Fotografin. Das hat mehrere Gründe.

Zunächst mal ist es so, dass ich all das selbst glaube. Ich komme aus einem kirchlichen Umfeld, bin da hineingewachsen, war schon als Jugendliche dort aktiv und bin es noch immer. Daher berührt mich das, was bei einer kirchlichen Trauung passiert, nicht nur auf der rein emotionalen Ebene.

Klar weiß ich, dass manche Paare, die sich kirchlich trauen lassen, selbst gar nicht kirchennah sind und die Kirche halt mitnehmen, weil es dazugehört, „für die Großeltern“. Aber das ändert für mich kaum etwas daran, dass etwas geschieht in diesem Moment: Etwas, das unabhängig davon ist, ob alle Beteiligten daran glauben oder wie sie dazu stehen. Was genau es ist, das da geschieht – ich kann’s auch nicht sagen. Es ist ein Versprechen, eine Zusage, Segen, Geist, etwas, das über dieses Leben hinausgeht – und dies findet seine Gestalt in unterschiedlicher Form, unsichtbar und sichtbar.

Und das bringt mich zum zweiten Punkt, der es für mich so besonders macht: Die enorme Herausforderung, dieses tiefe Geschehnis im Bild festzuhalten. Das Sichtbare so abzubilden, dass es dem Betrachter vielleicht eine Ahnung von dem Unsichtbaren gibt, das „dahinter“ geschieht. In Motivwahl, Perspektive, Bildkomposition, dem Einfangen des richtigen Momentes. Und in dem Bewusstsein, dass diese Momente einzigartig sind und nicht reproduzierbar.

Es hat ja ein gewisses Reibungspotenzial, das kann keiner abstreiten. Mir ist bewusst, dass das Wesentliche gar nicht in Fotos festgehalten werden kann, sondern dass sie höchstens ein kleiner Widerschein davon sein können. Und mir ist bewusst, dass man als FotografIn mitunter kritisch betrachtet wird: Stört sie nicht? Benimmt sie sich, stellt sich nicht zu sehr in den Vordergrund?… Obwohl ich weiß, dass es meine Aufgabe ist, für das Paar schöne Bilder zu machen, fühle ich mich manchmal etwas zweierlei in dieser Position. Denn eine Kirche ist für mich ein Sakralraum, ein Ort der Andacht, an der man teilhat, kein Ort für ein Fotoshooting. Aber in diesem Moment ist sie auch mein Arbeitsplatz, wo ich eine wichtige Aufgabe habe. Trotzdem: Am liebsten wäre ich dann ganz unsichtbar.

Mich unsichtbar machen – so gut es halt geht – das ist dann mein Ziel. Natürlich habe ich meine Strategien: Etwa lange Brennweiten, um auch von weitem alles ganz nah heranzuholen. Ich stelle meinen Auslöser auf leise und bewege mich wenig – und wenn, dann während der Lieder, so dass man es nicht so mitbekommt. Ich positioniere mich möglichst schräg seitlich, so dass ich niemandem die Sicht versperre und nicht im Weg bin. Während Gebet und Segen fotografiere ich nicht. Und natürlich blitze ich in Kirchen niemals. Ich bin dezent gekleidet und bewege mich auf leisen Sohlen.

Zugute kommt mir, dass ich die Liturgien idR. gut kenne und mich gezielt auf sie und die Abläufe einstellen kann. Und dass ich mittlerweile etliche Jahre Erfahrung habe beim Fotografieren in Kirchen – ich werde oft für kirchliche Trauungen gebucht, habe in den Jahren viel gelernt und tue es immer noch, und fühle mich heute sehr sicher dabei.

Und ich erscheine nie unangekündigt. Schon lange im Vorfeld bitte ich mein Paar, im Vorgespräch mit ihrem Pfarrer ihre Fotografin zu erwähnen, und sicherzustellen, dass das für ihn in Ordnung ist – denn der Pfarrer hat das Hausrecht in „seiner“ Kirche. Vor der Trauung suche ich auch immer noch mal ein kurzes Gespräch mit ihm, stelle mich vor und frage, ob er bestimmte Hinweise oder Anliegen hat. Bisher habe ich so immer gute Erfahrungen gemacht.

Auch sind viele Pfarrer dankbar, wenn jemand zuständig ist für die Fotos, und daher nicht die Gäste während des Gottesdienstes anfangen zu fotografieren. So können sich alle wirklich einlassen auf die Zeremonie und es entsteht keine Unruhe. Oft bittet das Brautpaar vorab die Gäste darum, nicht zu fotografieren, da es eine Fotografin gibt. Und das klappt idR. gut!

So fühlt sich diese Aufgabe für mich stimmig an. Ich finde es sehr schön, auf diese Weise die optische Gestalt von etwas festzuhalten, was man nicht sehen, richtig beschreiben oder erfassen kann. Das ist und bleibt jedesmal eine Herausforderung. Und besonders fein ist es für mich, wenn man mir im Nachhinein sagt: „Man hat gar nicht bemerkt, dass du da warst.“ : )