Privataudienz im Standesamt

Heute berichte ich Euch von einer ungewöhnlichen Trauung, die ich begleiten durfte.

Mein Brautpaar heiratete an einem Brückentag, und das Standesamt hatte erst nach der Terminvergabe entschieden, dass an dem Tag das Amt geschlossen bleiben sollte. Da das Paar den Termin jedoch nicht mehr verschieben konnte, wurde ihnen zugesagt, dass das Standesamt an dem Vormittag extra für sie geöffnet werde. Der Sicherheitsdienst werde uns hineinlassen, alle Anwesenden würden sich ausweisen müssen.

Was die Sache etwas erleichtert hat und ebenfalls außergewöhnlich war: Das Paar hatte es geplant und gewünscht, dass bei der Trauung nur sie beide, der Standesbeamte und ich anwesend sein sollten. Eine neue Situation auch für mich!

Als ich an unserem Treffpunkt im Hof ankam, ging dort schon ein Mann vom Sicherheitsdienst auf und ab. Während unseres Plausches stellte sich heraus, dass er bereits seit einer Stunde dort war und schon mit dem Unmut mehrerer Leute konfrontiert gewesen war, die vergeblich ihre Amtsgeschäfte hatten tätigen wollen. Wir teilten unsere Irritation darüber, dass manche offenbar sogar mit Termin gekommen waren, und auf der Amts-Homepage kein Hinweis auf den geschlossenen Brückentag zu finden gewesen sei…

Als mein Brautpaar eintraf – gekleidet in naturnahe, am Thema der Hochzeit orientierte Grün- und Brauntöne, den selbstgebundenen Brautstrauß in der Hand – wurden wir eingelassen.

Das Amt war tatsächlich vollkommen leer. In dem großen, weitläufigen Altbau, wo sonst emsiger Betrieb herrscht, war das wirklich eine seltsame Atmosphäre. Totale Stille, unsere Schritte hallten im Treppenhaus, alle Räume waren verschlossen. Dass wir hier so privat hinein geleitet wurden, war für das Brautpaar ein eindrucksvolles Erlebnis.

Der Standesbeamte war wunderbar, Selber noch sehr jung und unverheiratet, gestand er angesichts meines Ü50-Brautpaares auf charmante Art, dass ihm für viel ehe-spezifisches die praktische Erfahrung fehle. So gestaltete er seine Rede sehr persönlich und authentisch, und verzichtete auf die diversen Tips und Lebensweisheiten, die man mitunter von älteren Standesbeamten an junge Paare hört.

Das Brautpaar war sehr berührt. Nur wir drei hörten die Worte des Standesbeamten, und nur ich wohnte schließlich der Trauung bei. Ich hatte mir zuvor nicht so recht vorstellen können, wie das sein würde in so intimer Atmosphäre, ohne Hintergrundgeräusche von anwesenden Gästen, und ohne das emsige Treiben, das normalerweise vor und nach einer Trauung stattfindet. Aber es war wunderbar und herrlich stressfrei.

Die neuen Eheleute verließen das Standesamt verheiratet und überglücklich 🙂

Hochzeit zu zweit

Eine Privataudienz im Standesamt im Rathaus Karlsruhe

Ein kleiner Bericht der Hochzeitsfotografin

 

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